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Wachteln im Erzgebirge

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Leute, wie die Zeit vergeht - Fünf Jahre "Wachteln im Erzgebirge"

Leute, wie die Zeit vergeht - Fünf Jahre
Jagdfasan - Nach 5 Jahren Wachtelhaltung bekamen die Wachteln Gesellschaft

Am vergangenen Samstag fand im Tal der Freiberger Mulde wieder jene Kleintierausstellung statt, auf welcher ich im November 2014 zum ersten mal Japanische Legewachteln bewußt wahrnahm. Wenige Tage später begann ich mit der Haltung von Wachteln.

Wenn ich im Spätherbst mit dem Auto unterwegs bin und die Plakate für die Veranstaltung sehe, werde ich jedes Jahr daran erinnert. 

Es ist erschreckend, dass schon wieder 5 Jahre vergangen sind. Andererseits muss man ehrlicherweise zugeben, dass in den fünf Jahren sehr viel passiert ist.

Ursprünglich war die Wachtelhaltung nur als vorübergehende "Winter-Variante" gedacht, um den leeren Kaninchenstall bis zum Frühjahr mit Leben zu füllen. Und natürlich wollte ich unbedingt "legereife Wachteln", selbstverständlich "nur Hennen" und das möglichst schnell, am besten sofort. Der erste 25-Kilo-Sack Wachtelfutter erschien riesig. Wie lange man wohl damit füttern könnte?

Doch schon nach wenigen Wochen zeigte sich, dass mein Konzept richtig dumm war. Was ich mir im Internet angelesen hatte, konnte ich eigentlich vergessen. Tausend Leute haben im Web tausend verschiedene Meinungen. Teilweise sind Ansichten dabei, die mit Naturbeobachtung, gesundem Menschenverstand oder gar Wissenschaft überhaupt nicht zu vereinen sind.

Nehmen wir als Beispiel den Kaninchenstall: Riesige Türen und für eine für Wachteln völlig unpassende Höhe. Ein Kaninchenstall ist für die Wachtelhaltung nur vorübergehend, als Notlösung oder zur Isolation einzelner Tiere, geeignet.

Ich stand recht schnell vor der Entscheidung, entweder mit der Wachtelhaltung wieder aufzuhören oder: Einen großen Schnitt zu machen und komplett neu zu beginnen. Wie man heute sieht, habe ich Variante 2 gewählt.

Es begann mit dem Bau eines vieretagigen Wachtelstalles mit 2,5 Quadratmeter Grundfläche pro Ebene. Diesen Stall habe ich in den 5 Jahren mehrfach umgebaut und würde ihn heute trotzdem nicht mehr so bauen. Dazu später mehr.

Doch es ist nicht bei den Deutsche-Riesenschecken-Kaninchen und Japanischen Legewachteln geblieben. Sehr schnell kamen Marans-Hühner und Indische Laufenten hinzu. Eine 24x7 Videoüberwachung, Wildzaun und Bewegungsmelder wurden leider auch notwendig. Die "wilden Tiere aus dem Wald" besuchen uns in Scharen und es sind nicht nur Hirsche und Rehe, die uns im Winter die Vogelhäuschen leer fressen. (Video unten verlinkt) Es kommen auch Tiere mit scharfen Zähnen und Appetit auf Geflügel.

Im Oktober 2016 kam Paula zu uns. Meine Frau meinte, dass auf einen "richtigen Bauernhof" auch ein Hund gehört. Ich war anfangs skeptisch, denn ein Hund bedeutete einen gewaltigen Einschnitt in unser Leben. Wachteln kann man notfalls, mit Futterautomaten und großen Tränken, ein paar Tage unbeaufsichtigt lassen. Auch bei Kaninchen ist es nicht allzu kritisch. Gibt man ihnen mehrere Tränkflaschen und ausreichend Heu, kann man schon mal (ausnahmsweise) ein Wochenende verreisen. Niemand muss mit seinen Deutschen Riesenschecken "Gassi gehen". Im schlimmsten Fall fangen die Kaninchen an, ihre Einstreu aufzufressen.

Bei einem Hund ist das aber komplett anders, erst recht bei einem erst wenige Monate alten Tier. Rückblickende Zusammenfassung: Es ist so, als ob man noch mal ein Baby bekommt. Und zwar mit allem "drum und dran": Mehrmals täglich Gassi gehen, im Härtefall auch nachts, jede Menge Tierarztbesuche mit Impfungen und nicht zuletzt jeden Samstag Hundeschule.

Zum Abschluss des Themas "Hund" ein Ratschlag für alle, die sich ein Tier anschaffen wollen: "Denkt dran, dass man nach der Anschaffung eines Hundes mindestens einen Tausender zusätzlich braucht, um alle (im ersten Jahr) anfallenden Kosten abzudecken."

Das Gute daran: Durch den Vorschlag meiner Frau, einen Hund anzuschaffen, habe ich faktisch Narrenfreiheit. Der größte Teil der Arbeit mit dem Hund blieb nämlich tagsüber, auf Jahre, an mir hängen. Als Ausgleich leben seit Mai 2019 Jagdfasane bei uns und der aktuelle Lieblingssatz lautet "Das aufwändigste an der Fasanenhaltung ist der Bürokram". Nach sächsischem Recht sind Jagdfasane sowohl dem Artenschutz als auch dem Jagdrecht unterstellt. Dadurch hat man ständigen Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Jagdbehörde des zuständigen Landkreises. Jede Veränderung am Tierbestand muss umgehend gemeldet werden.

Ein einschneidendes Ereignis der letzten Jahre war die zunehmende Pflegebedürftigkeit meines Vaters. Anfang Dezember 2018 starb er dann - Nach einem langen Leidensweg und einer über 32 Jahre dauernden Krankheit.

Im Jahr 1986 war die eher zufällig entdeckte Erkrankung der Grund, weshalb meine Familie mit der Tierhaltung aufgehört hat. Ich war zu jener Zeit beim Grundwehrdienst (NVA). Die letzte Kuh war schon Mitte der 70er Jahre vom Hof verschwunden. Zeitgleich wurde der Bauernhof von 1769 abgerissen und ein neues Haus gebaut. In den 1980ern hatten wir nur noch Kaninchen, darunter die heute selten gewordenen Angora-Kaninchen.

In den vergangenen zehn Jahren nahm der Arbeitsaufwand, den ich bei meinen Eltern mit der Grundstückspflege hatte, stark zu. Irgendwann war ich an einem Punkt, wo ich beschloss, beim Rasen mähen nicht nur Kompost zu produzieren. Rasenmäher, Benzin, Schnellkomposter, Arbeitszeit ... das konnte so nicht weitergehen.

Heu zu machen und wieder Kaninchen zu halten erschien wirklich sinnvoll. Und es ist tatsächlich ein riesiger Unterschied, ob man alle 2 Wochen mit Rasenmäher, Trimmer und Motorsense sinnlos mähen muss oder ob man 2x pro Jahr mit Handsense und Balkenmäher hüfthohes Kaninchenfutter schneidet. In den letzten 2 Sommern hielt sich der Aufwand für die Rasenpflege wegen der Trockenheit glücklicherweise im Rahmen.

Da zum Grundstück meiner Eltern kleine Waldstücke gehören, meldete sich im Herbst 2018 die Untere Forstbehörde des Landkreises. Nicht nur bei uns, sondern bei insgesamt 4000 privaten Waldbesitzern der umliegenden Orte. Seit Herbst 2018 und im ganzen Jahr 2019 war ich sehr oft mit der Kettensäge unterwegs. "Nachhaltige Forstwirtschaft" war für mich komplettes Neuland. Trockenheit, Borkenkäfer, Schnee- und Windbruch und ein über Jahre aufgestauter Pflegebedarf im Waldbestand sorgen dafür, dass die Forstarbeit auch im Jahre 2020 weitergehen muss.

Ich habe lange überlegt, ob ich meine familiären Hintergründe öffentlich machen soll oder nicht. Aber ich bin es Leid, mich immer wieder dafür zu entschuldigen, dass ich nicht ständig "legereife Wachteln, bitte nur Hennen" anbieten kann. Ich habe neben all diesem auch noch eine IT-Firma zu führen und es dürfte jedem klar sein: Von einer Hobbylandwirtschaft kann man nicht leben.

Unsere Hobbylandwirtschaft ist von dem Gedanken getrieben, das vorhandene Grundstück unserer Vorfahren sinnvoll zu nutzen. 

Was sich hier nach sehr viel Arbeit anhört, macht aber auch riesigen Spaß. Im Gegensatz zur Arbeit in der IT-Branche sieht man jeden Abend, was geschafft wurde und das ist auch (be)greifbar.

"Richtig harte Arbeit" ist einzig und allein die Arbeit im Wald. Das merkt man jeden Morgen beim Aufstehen, wenn es im Körper zwickt und zwackt. Und wenn sich der Borkenkäfer schneller durch den Wald frisst, als man das Holz sägen kann, ist es eine ziemlich frustrierende Arbeit. An manchen Stellen säge ich dutzendweise abgestorbene  Bäume heraus, die ich erst vor 25 Jahren mit meinem Vater gemeinsam gepflanzt habe. Glaubt man fertig zu sein und schaut nach ein paar Wochen wieder durch den Bestand, findet man die nächsten kranken Bäume. Das tut sehr weh!

Update: Glücklicherweise war der Januar 2020 sehr mild und schneefrei. So konnte ich allein in diesem Monat 400 neue Bäume pflanzen.

 Wird fortgesetzt...

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