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Muss man Wachtelbruteier vor dem Brüten desinfizieren?

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Bruteier desinfizieren - Voraussetzung für gesunde Wachtelküken?

Es kommt immer wieder die Frage auf, ob man die Bruteier der Legewachtel vor dem Einlegen in den Brutautomaten desinfizieren muss. Bei deutschen Züchtern wird das im Regelfall -zumindest nach meinem Wissen- kaum praktiziert. Man darf die Eier nicht waschen, heißt es. Grober Schmutz soll entfernt werden, aber nicht mit Wasser oder gar Chemie. Allenfalls "feines Schleifpapier" oder einen harten Schwamm soll man dazu verwenden. Oft wird davor gewarnt, dass allzu grobes Reinigen der Bruteier die natürliche Schutzschicht des Wachteleies zerstört.

In den englischsprachigen Handbüchern der Brutautomaten wird bei einigen Herstellern darauf hingewiesen, dass man die Bruteier vor dem Einlegen desinfizieren soll. Und es werden auch gleich die passenden Desinfektionsmittel angeboten. In den deutschen Versionen der Handbücher habe ich diesen Hinweis noch nicht gefunden.

Soll man nun, oder soll man nicht? Oder ist das alles eine geniale Geschäftsidee?

Natürlich erscheint es irgendwie logisch, nicht nur den Brutautomaten zu desinfizieren, sondern auch die "schmutzigen" Bruteier. Immerhin werden durch die Eier Keime vom Stall in den Brutraum getragen. Bei Körpertemperatur und 60-80 Prozent relativer Luftfeuchte bildet sich über zweieinhalb Wochen ein optimales Klima für Bakterien und Pilze. Mit dem Desinfizieren des Brüters verhindert man zumindest, dass die Erreger von einem Brutvorgang auf den nächsten übertragen werden können.

Das ist zumindest die Theorie.

Ich weiß, dass man in großen, professionellen Massenbrütereien gar nicht umhin kommt, alles und jeden zu desinfizieren. Dort gelten Hygienevorschriften, die man als kleiner Hobbylandwirt nicht ansatzweise erfüllen kann. In solchen Betrieben kommt man im Normalfall noch nicht einmal bis zum Empfang, weil man vom Sicherheitsdienst schon vorher beiseite geführt wird. Allzu groß ist die Angst, dass durch den Menschen Krankheitserreger in das Unternehmen getragen werden.

Der Hobbywachtelhalter sollte zumindest die Grundregeln der Hygiene beherzigen. Absolut saubere Hände, desinfizierter Brutautomat, "einigermaßen" saubere Bruteier. Verkotete Bruteier gehören nicht in die Brutmaschine. Im schlimmsten Fall sortiere ich das betreffende Brutei aus.

Wer sich für dieses Thema interessiert, kann bei Google nach "disinfection hatching eggs" suchen. Wie auch in der Fischzucht wird -im englischsprachigen Raum- die Desinfektion der Eier mit formaldehydhaltigen Desinfektionsmitteln empfohlen. Formaldehyd ist übrigens jener Stoff, welcher im Verdacht steht, Krebs zu verursachen. Bei Möbeln war er früher im Klebstoff und in Oberflächendekoren enthalten, darf aber nicht mehr verwendet werden. Beim Innenausbau dürfen ebenfalls nur noch formaldehydfreie Plattenwerkstoffe genutzt werden.

Aus meiner Zeit als Fischzüchter weiß ich noch, dass Formaldehyd ("Formalin") in verschiedenen Fischmedikamenten verwendet wird. Als "zuverlässiger Bürger" bekommt man Formalin in Reinform auf Bestellung und gegen Unterschrift in der Apotheke. Man sollte ÄUSSERST vorsichtig damit umgehen und schon vorher an die Entsorgung denken. Es lohnt sich nicht, größere Mengen zu bevorraten, weil Formalin chemisch instabil ist, nach einiger Zeit (wenn ich mich recht erinnere) zu Ameisensäure zerfällt und seine Wirkung verliert.

Noch ein Schwank aus der Fischzucht: Jungfische aus einer sterilen Aufzuchtanlage fallen meist um, sobald sie mit dem "Bakteriencocktail" aus dem normalen Wasser in Berührung kommen. Sie besitzen kaum eigene Abwehrkräfte und haben ein desolates Immunsystem. Das "Problem" hat dann aber der Kunde, der diese Fische für seinen Teich oder das Aquarium gekauft hat. So sieht es zumindest der Zoofachhändler und verkauft seinem Kunden nach dem "mysteriösen" Tod der Fische erst mal einen Wassertest.

Zurück zu unseren Wachtelbruteiern und zum gesunden Menschenverstand: Bei der Naturbrut desinfiziert niemand die Eier. Sofern man einen gesunden Wachtelbestand hat (und nur damit sollte man züchten), sehe ich keine Notwendigkeit, jedes Brutei einzeln zu desinfizieren.

Widerspricht der Umgang mit krebserregenden Stoffen wie Formalin nicht der "artgerechten", naturnahen Tierhaltung? Muss man das Immunsystem der Wachtelküken durch zu viel Desinfektion auch so weit herunterfahren wie bei anderen Tierarten?

Ich betrachte die Desinfektion von Bruteiern als unnötig und lehne sie strikt ab. Allerdings wäre ich auch bereit, mich auf der Basis von Fakten anderweitig überzeugen zu lassen. Beim Tausch und Kauf von Bruteiern würde ich beispielsweise gern wissen wollen, inwieweit dort die Möglichkeit bestünde, dass man sich "irgendetwas einschleppt".

Es wäre äußerst interessant, Versuche mit desinfizierten und nicht desinfizierten Bruteiern zu machen, um einen Unterschied beim Bruterfolg festzustellen oder die Notwendigkeit zur Desinfektion zu beweisen bzw. zu widerlegen. 

 

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